Deutsche Familienpolitik bewegt Schweizerin zur Unternehmensgründung
„Hoher Himmel, enges Tal“ – so stellte sich die Schweiz 1998 als Gastland der 50. Frankfurter Buchmesse vor. Schweiz-Kritiker und auch -Freunde spielen noch heute gerne mit der Vieldeutigkeit dieser Aussage. Auf ihre Art macht das auch die Schweizerin, Mutter und Gründerin von motherworld, Jacqueline Schwope. Eine moderne Familienpolitik, vielfältige Betreuungsangebote und ein weitaus fortschrittlicheres Frauenbild als in der Schweiz haben sie zur Deutschland-Freundin und schließlich zur Unternehmensgründerin gemacht. Weiterhin ihrem Mutterland eng verbunden, engagiert sie sich heute mit ihrem Unternehmen motherworld in Deutschland für den Fortschritt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.Jacqueline Schwope ist gebürtige Schweizerin, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Seit 15 Jahren lebt sie in Deutschland, war bei UBS, Eurosport und Getty Images in leitenden Positionen tätig und hat sich vor vier Jahren mit ihrem eigenen Unternehmen motherworld selbständig gemacht. Ihr Mutterland erlebte sie in der Zeit der Berufstätigkeit aus der Perspektive einer in Deutschland lebenden, zukünftigen Mutter und Karrierefrau gänzlich anders, als dies so viele Deutsche mit Auswanderungsgedanken gerne machen.
Schweizer Modell überzeugt nicht
„Als unsere Tochter unterwegs war, stand zeitgleich eine berufliche Entscheidung verbunden mit einem Ortswechsel von Deutschland in die Schweiz an. So schaute ich mir mein Heimatland einmal unter dem Aspekt Vereinbarkeit von Familie und Beruf an,“ blickt die 42-jährige Unternehmerin, Jacqueline Schwope, heute zurück. Was sie zu sehen bekam, war alles andere als zufriedenstellend. Zum Beispiel nehmen öffentliche Kindergärten Kinder erst im Alter von vier Jahren und meistens nur halbtags auf. Hinzu kommt das immer noch sehr tradierte Frauen- und Familienbild in der Schweiz – arbeitende Karrieremütter werden hinterfragt. Sie sind größtenteils undenkbar, unerwünscht und sozial gern ausgegrenzt.Die Höhe des Kindergeldes ist sehr bescheiden. Elterngeld und Elternzeit sind Fremdworte und die Aussicht auf einen bezahlbaren Betreuungsplatz für unter Vierjährige undenkbar. Die persönliche Entscheidungsfindung ging zügig voran. Es stellte sich schnell heraus, welches Verständnis von Familie und berufstätigen Müttern in der Schweiz zu erwarten war. Kinder sind dort nahezu ein Luxusgut und politisch führen sie eher ein Schattendasein. „Den soviel gepriesenen Steuervorteil hätten die Mehrkosten für die private Betreuung des Kindes im Nu wieder egalisiert. Eine Rückkehr in die Arbeitswelt würde in weite Ferne rücken, was für mich indiskutabel war,“ gesteht Schwope. Gestützt von ihrem Mann hat sie sich schließlich gegen die Schweiz, für Deutschland und ihr zweites Kind entschieden.
motherworld.de now live: online-gestützte Vermittlungsagentur für Kinderbetreuung geht 2006 an den Start
2006 erblickte das eigene Unternehmen motherworld das Licht der Welt. Konsequent setzte Jacqueline Schwope mit diesem Schritt das in Deutschland Geförderte um, was sie an ihrem Heimatland so schmerzlich vermisste. „Müttern, die arbeiten wollen – auch alle Möglichkeiten dazu geben. Von einer Betreuung ab Geburt und vor allem der unter Dreijährigen bis zur Familienfreundlichkeit im Unternehmen selbst,“ so Schwope.Mit der Gründung startete in Frankfurt die erste online-gestützte Vermittlungsagentur für Kinderbetreuung. Dieser zur Zeiten der Gründung neuartige Service beinhaltet einen umfangreichen Pool von vertrauenswürdigen und nach strengen Kriterien ausgewählten Betreuungspersonen. Eltern können gegen einen Mitgliedsbeitrag schnell und unkompliziert eine gute Betreuung finden. Das Klientel setzt sich hauptsächlich aus berufstätigen Müttern und Vätern zusammen.
Durch die klare politische Ausrichtung der ehemaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen wurde der Betreuungsmarkt in den vergangenen Jahren aufgeweckt. Damit diese ambitionierten Ziele zu erreichen waren, mussten regelrecht Massen an Betreuungsplätzen und -personen bereitgestellt werden. Der Gründerin von motherworld lag jedoch von Anfang an die Qualität – in der Beratung, Vermittlung und der Betreuungspersonen selbst – am Herzen und sie konnte sich so mit motherworld im Raum Frankfurt als vertrauensvolle online-gestützte Vermittlungsagentur profilieren.
motherworld consulting im Jahr 2010 neu im Portfolio
Nach vielen Eindrücken und Erfahrungen aus den vier ersten, erfolgreichen Unternehmensjahren, erweitert die Schweizerin mit motherworld consulting im Jahr 2010 ihr Dienstleistungsangebot. Zusätzlich berät sie kleine und mittelständische Unternehmen dabei, familienfreundliche Maßnahmen in die Tat umzusetzen. „Wenn man bedenkt, mit welch geringem Einsatz berufstätige Mütter unterstützt werden können, dann ist es auch für das Unternehmen ein Gewinn.Es ist wichtig, ihnen zu zeigen, dass sie in ihrer Situation im Unternehmen nicht allein gelassen, sondern nach besten Wissen und Gewissen unterstützt zu werden,“ so Schwope. Natürlich stehen auch dahinter betriebswirtschaftliche Berechnungen, denn der Ausfall einer Mutter in die dreijährige Elternzeit kann für ein Unternehmen durchaus finanziell unattraktiv sein. Ein Punkt übrigens, den Jacqueline Schwope in der deutschen Familienpolitik dann doch zu kritisieren hat. Sie hat in der täglichen Praxis ausgemacht „dass diese Regelung eigentlich weder Müttern noch Unternehmen hilft – da eine grundsätzliche Entscheidung nur auf die lange Bank geschoben wird. Diese aber für beide Seiten je eher desto besser gefällt werden sollte.“
Internetportal im neuem Look mit bundesweitem Angebot
Im Mai diesen Jahres geht motherworld in seiner Unternehmensgeschichte den nächsten, wichtigen Schritt und öffnet das Portalangebot bundesweit. Der Relaunch von motherworld beinhaltet neben einer optischen auch die inhaltliche Überarbeitung des Internetauftritts, ein erweitertes und zugleich vereinfachtes Vermittlungsportal sowie ein spezialisiertes Beratungsangebot rund um das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ für kleine und mittelständische Unternehmen.zurück
